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Institut für Studien der Musikkultur des portugiesischen Sprachraumes ISMPS e.V. Zentrum für interdisziplinäre, musikwissenschaftlich geleitete Kulturstudien lusophoner Kontexte eingetragen und als gemeinnützig anerkannt im - "Europäischen Jahr der Musik" 1985 - zurückgehend auf ein in São Paulo/Brasilien 1968 gegründetes und eingetragenes Forschungszentrum international konstituiert nach Beratungen von versammelten Experten in São Paulo (1972), Lissabon (1973), Hamburg/Lüneburg (1974), Rio de Janeiro (1979), Bonn und Köln (1980), Lissabon, São Paulo, Petrópolis und Mariana (1981), Leichlingen (1982), Washington (1983), Paris/Royaumont (1984) und Rom (1985) assoziiert mit der Wissenschaftlichen Organisation Brasil-Europa für theoretische und kulturwissenschaftliche Studien internationaler Beziehungen durch die Akademie Brasil-Europa für Kultur- und Wissenschaftswissenschaft (A.B.E.) Sitz: Zentrum für Kulturstudien Brasil-Europa Dieringhauser Str. 66 51645 Gummersbach e-mail: ismps@ismps.de Bibliothek Organ: Revista Brasil-Europa. Correspondência Euro-Brasileira (1989-)
Das Institut für Studien der Musikkultur des portugiesischen Sprachraumes widmet sich interdisziplinären, musikwissenschaftlich geleiteten Kulturstudien von Kontexten und Prozessen der Welt portugiesischer Sprache: Portugal, Brasilien, Angola, São Tomé und Príncipe, Kapverden, Guinea-Bissau, Mozambik, Osttimor, frühere portugiesische Niederlassungen in Indien (Goa, Diu, Daman), China (Macao) und Malakka, sowie Gemeinschaften portugiesischer Sprache anderer Länder und daraus resultierenden sozio-kultureller Kontexte. Aufkmerksamkeit wird auch der Kulturforschung von Migrationen und deren Konsequenzen gewidmet, u.a. der von Portugiesen und Brasilianern in Deutschland und anderen europäischen Ländern, Kapverdianer nund Azorianern in Nordamerika, Madeirenser in Hawaii, Portugiesen in Venezuela, Südafrika u.a. Von besonderer Aktualität erscheinen Kulturstudien von Migranten aus außereuropäischen Ländern mit portugiesischer Sprache nach Europa und in die USA: Rückkehrer aus ehemaligen portugiesischen Überseegebieten, Kapverdianer, Angolaner und Migranten anderer afrikanischer Länder in Lissabon, in anderen europäischen Hauptstädten und in Brasilien, sowie von Brasilianern, die in Portugal und anderen Ländern Europas, in Amerika, Asien oder Afrika leben. Ziel der Bemühungen ist nicht nur die Erforschung von Kontexten und Prozessen, die sich auf Kollektivitäten beziehen, sondern auch derjenigen, die die individuelle Wirkung von Intellektuellen, Wissenschaftlern und Künstlern portugiesischer Sprache in den verschiedenen Ländern, Regionen, Städten, in der Medienwelt und in der globalisierten Welt betreffen. Umgekehrt wird auch Aufmerksamkeit den Fragen nicht-lusophoner Immigration und Kulturrezeption in den betreffenden Ländern und Gemeinschaften portugiesischer Sprache gewidmet. Das Institut verfolgt als Hauptzweck, zur ständigen Aktualisierung theoretischer Konzepte, Methoden und Perspektiven von Studien beizutragen, die die Länder und Gemeinschaften portugiesischer Sprache betreffen. Es beabsichtigt, Subsidien zu einer Entwicklung des Denkens zu liefern, die den neuen Bedingungen entspricht, die sich aus der Integration Portugals in die Europäische Gemeinschaft und den vielfältigen integrativen Tendenzen ergeben, die durch den Gebrauch derselben Sprache in Ländern und Gemeinschaften erleichtert werden. Das Institut wurde in seiner Zielsetzung vor der Konstituierung von Organisationen integrativer Art der lusophonen Welt (CPLP, PALOP u.a.) idealisiert und konstituiert. Theoretische Erneuerung: von der Philologie und Literaturwissenschaft zur Kulturwissenschaft Die Sprache wird in der Zielsetzung und Bezeichnung des Instituts als Faktor angesehen, der die zu untersuchenden Kontexte bestimmt, da durch sie Kommunikation und dementsprechend Austausch und Annäherung erleichtert werden. Sie selbst gehört jedoch den Kulturkomplexen an, die Ziele der Kulturanalysen des Instituts sind. Die Ausrichtung des Instituts ist demnach ausdrücklich kulturtheoretisch bzw. kulturwissenschaftlich. Es war von seinen Ursprüngen her stets der Erneuerung der Kulturstudien in der Welt portugiesischer Sprache aus Perspektiven der Volks- und Völkerkunde, Kulturanthropologie, Ethnologie, Kulturgeschichte, Soziologie und anderer Kulturwissenschaften verpflichtet. Die Zielsetzung des Instituts entwickelte sich in enger Beziehung zur Auseinandersetzung mit der Notwendigkeit konzeptioneller Erneuerung von Studienbereichen und Disziplinen mit komplexer Fachbestimmung und problematischen kulturhistorisch-politischen Konnotationen (Volkskunde/Folkloreforschung - Etnographie/Etnologie). Die Arbeit des Instituts ist demnach nicht einer Forschungs- und Institutionsgeschichte verpflichtet, die primär mit Sprach- und Literaturstudien zusammenhängt. Es ist sogar bemüht, in seiner explizit kulturtheoretischen Orientierung die Vorherrschaft sprach-und literaturzentrierter Fokussierungen bei der Behandlung von Kulturfragen zu überdenken. Somit werden Studienbereiche und Fachzweige, die sich traditionell vor allem mit Fragen der Sprache und Literatur befassen (Lusitanistik, Romanistik, Brasilianistik u.a.) trotz ihrer Relevanz nicht mehr als leitend bei der interdisziplinären Diskussion angesehen. Der sich ich in Entwicklung befindende Studienbereich erfordert vor allem die Mitwirkung von Wissenschaftlern, die in expliziten kulturwissenschaftlichen Fächern bzw. in einer metadisziplinär verstandenen Kulturwissenschaft verortert sind. In dieser Hinsicht war das ISMPS mit seiner erneuerenden Zielsetzung die erste Institution seiner Art. Leitdisziplin: Musikwissenschaft in kulturwissenschaftlicher Ausrichtung Eine besondere Aufmerksamkeit verdient die bemerkenswert erscheinende Bedeutung, die im Namen und in der Zielsetzung des Instituts der Musikkulturforschung im Rahmen der Kulturstudien zugewiesen wird. Um die der Musikkulturforschung zugewiesene Bedeutung nachzuvollziehen, ist von der alten Tradition des Denkens auszugehen, die die Einbeziehung der Musik neben mathematischen Fächern in den universitären Fachkatalog des Quadriviums rechtfertigte (Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik). Diese Einbeziehung gründete in einem Weltverständnis der Antike, nach dem hinter den sinnenhaft wahrgenommenen Erscheinungen numerisch zu erfassende Gesetzmäßigkeiten zu erkennen seien, die auf Immaterielles und Transzendentes verweisen. Die Bedeutung einer Wissenschaft der Musik im quadrivialen System war damit mit einer Weltsicht auf metaphysischen und ontologischen Grundlagen verbunden. Da die portugiesische Expansion in der Welt zur Zeit der Entdeckungen zugleich mit der religiösen Ausbreitung des Christentums einherging, wurden alte Denksysteme der Welt- und Menschensicht in den neu entstandenen Kulturkontexten verbreitet und perpetuiert. Die Berücksichtigung alter, grundlegender Sichten der Erkenntnisgewinnung stellt sich demnach als eine Notwendigkeit für adäquate und vertiefende Analysen symbolisch-kultureller Strukturen dar, die aus dem kolonialen und missionarischen Prozess resultierten. Nicht alle Kulturphänomene jedoch - so diejenige, die sich aus der Säkularisierung des Lebens ergaben - erlauben Strukturanalysen in dem Sinne, dass eine Weltsicht weiterbesteht, in der die wahrgenommenen Kulturäußerungen Zeichen immaterieller, metaphysischer Inhalte darstellen. Eine Verwendung der Musik als privilegiertes Instrument für das Eruieren abstrakter Relationen, die wiederum die Erkenntnis spiritueller Gesetze ermöglichen sollen, ist dementsprechend nicht immer geeignet für die analytische Verfahrensweise. Trotzdem stellt die Musik auch unter diesen Bedingungen einen Faktor von außerordentlicher Bedeutung für kulturanalytische Absichten dar. Die Musik hat in Vorgängen der Formung und Veränderung von Identitäten eine maßgebliche Rolle gespielt. Wie die historischen Dokumente in zahlreichen Fällen zeigen, hat sie vor der verbalen Kommunikation die Anziehung und die Annäherung der Völker ermöglicht. Sie wurde somit zum wichtigsten Instrument, um Mechanismen der Kulturveränderung in Gang zu setzen, die gleichsam in einem prozessuellen Automatismus bis heute weiterwirken. Das Institut erkennt somit in der Musikwissenschaft die Relevanz einer Grunddisziplin für Kulturstudien, insofern sie nicht nur kulturhistorische Studien, sondern auch Analysen systematischer bzw. systemischer und kognitiver Art einbezieht. Sie ist nicht Ziel, sondern gleichsam Beginn. Sie ersetzt in dieser Sicht die Philologie bzw. die Literaturwissenschaft in der Funktion als leitende Wissenschaft im inter- und transdisziplinären Rahmen. Voraussetzung hierfür ist aber, dass die Musikwissenschaft in ihrem breiten kulturwissenschaftlichen Spektrum verstanden wird, d.h. dass sie sich nicht auf konventionelle Konzepte einer Historischen Musikwissenschaft eurozentrischer Fixierung oder einer Musikethnologie beschränkt, die durch ihre Bezeichnung die Kategorie der ethnischen Zugehörigkeit hervorhebt oder überhaupt Musikforschung nur im Sinne klanglicher Phänomenologie versteht. Um die Entwicklung einer kulturwissenschaftlich orientierten Musikwissenschaft bemüht sich ein 1993 in Brasilien gegründetes Forschungsinstitut, das mit dem ISMPS e.V. zusammenarbeit (I.B.E.M.). Kultur als Text? Eher Kultur als Partitur, oder besser: als zu vernehmende Entwicklungen in der Zeit, Aufführungen, Vorführungen, Ereignisse, Repräsentationen, Performances, Vorgänge. Nicht nur lesen - Vernehmen! Fühlendes Wahrnehmen und wahrnehmendes Fühlen verlangen aber an erster Stelle die Kultivierung von Fähigkeiten der Empathie. Das Institut ist bei der Verfolgung seiner Ziele für Unterstützungen und Mitwirkungen dankbar.
Prof. Dr. Antonio Alexandre Bispo
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